Der Befund ist eindeutig. Rapperswil-Jona hat kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem. Trotz Senkung des Steuerfusses sind die Steuereinnahmen in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gestiegen – um rund 51 Mio. Franken. Gleichzeitig wachsen die laufenden Verwaltungsausgaben deutlich schneller, als es mit Teuerung und Bevölkerungsentwicklung zu erklären wäre: Der Personalaufwand steigt von 2022 bis Budget 2026 um 20.1% (+ 14.6 Mio. Franken), der Sach- und übrige Betriebsaufwand um 31.8 % (+11.5 Mio.). Zusammen erhöhen sich die Ausgaben in dieser kurzen Zeitspanne von vier Jahren um 26.1 Mio. Franken! Der enge Zusammenhang zwischen der stark eingeschränkten Einflussnahme der Stimmbevölkerung auf die Entscheidungen in diesen beiden Bereichen und der rasanten Kostenentwicklung liegt auf der Hand.
Hier liegen die grossen Hebel – und nicht bei Kultur, Sport oder Tourismus. Wer in einer frühen Analysephase zuerst bei diesen Bereichen Kürzungen ins Spiel bringt, argumentiert ideologisch und zeigt vor allem eines: Die Bereitschaft fehlt, die anspruchsvollen und unangenehmen Entscheidungen dort zu treffen, wo die grossen Beträge liegen. Deshalb fordern wir, dass zügig konkrete Massnahmen – mit Zeitplan, Verantwortlichkeiten und messbaren Zielen ergriffen werden.
FDP: Wir selbst überprüften und hinterfragten zu wenig
Dabei sind wir durchaus selbstkritisch und räumen Versäumnisse unsererseits ein: In der Vergangenheit waren wir gegenüber dem Stadtrat zu wenig konsequent – auch aus Rücksicht auf eigene Regierungsvertretungen. Das wird sich ändern, auch wenn die FDP künftig wieder in der Exekutive vertreten sein wird. Stadträte sind dem Kollegialitätsprinzip verpflichtet und stehen als Gremium in der Verantwortung. Den Parteien fällt eine vermittelnde Rolle zwischen Bürgerschaft und Stadtrat zu; sie prägen die politische Meinungsbildung und moderieren damit die Ausübung der kommunalen Gewaltenteilung.
Bildung: Qualität zuerst – Transparenz beim Preis
Gute Bildung ist die oberste Maxime, Qualität das höchste Ziel. Aber das Preisschild muss nachvollziehbar, geprüft, gerechtfertigt und letztlich von der Bürgerschaft legitimiert sein. Wer die Kostenfrage einbringt, stellt nicht die Bildung infrage – sondern übernimmt Verantwortung. Die Auswertung kantonaler Kennzahlen zeigt: Im Kanton St. Gallen kommen im Schnitt 6,7 Lehrpersonen (Vollzeitstellen, ohne Betreuungspersonal) auf 100 Schülerinnen und Schüler. In Rapperswil-Jona sind es 10,3 – rund 53 % mehr. Hochgerechnet entspricht das rund 100 Stellen und jährlichen Mehrkosten in der Grössenordnung von 10–15 Mio. Franken.
Die Schülerinnen und Schüler erzielen gute Resultate, doch der finanzielle Mitteleinsatz ist unverhältnismässig. Vieles spricht dafür, dass die guten Leistungen auf vorteilhafte soziale und wirtschaftliche Voraussetzungen zurückgehen – nicht auf die Höhe der öffentlichen Ausgaben. Folgende Fragen stellen sich: Wie rechtfertigt sich dieser überdurchschnittliche Einsatz von Steuergeldern? Wo liegen die Vorteile? Der Stadtrat ist gefordert, der Bürgerschaft den Mehraufwand glaubhaft zu erklären, dessen Wirkung zu belegen und aufzuzeigen, wie er sich dem kantonalen Mittel annähern will, ohne Angst vor Qualitätsverlust zu schüren.
Investitionen: Prioritäten statt Wunschliste
Bei Investitionen ist die Stimmbevölkerung gut eingebunden: Grössere Vorhaben kommen an die Urne. Die letzten Abstimmungen haben gezeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger keine überrissenen Projekte wollen. Trotzdem: Die geplanten Investitionen 2025–2030 liegen im Durchschnitt bei rund 40 Mio. Franken pro Jahr – gegenüber 24 Mio. im langjährigen Schnitt (+67 %).
Gleichzeitig zeigt die Vergangenheit, dass Budgets nicht wie geplant umgesetzt werden konnten. Deshalb fordern wir: Rapperswil-Jona braucht eine verbindliche Priorisierung und eine Planung, die Kapazitäten, Ressourcen und Realisierbarkeit in Übereinstimmung bringt.
Demokratische Legitimation: mehr Beteiligung, mehr Verlässlichkeit
Direkte Demokratie lebt von Beteiligung. Bei sehr tiefer Teilnahme an Bürgerversammlungen entstehen Verzerrungen – von organisierten bis hin zu zufälligen Mehrheiten. Wir wollen daher die Diskussion über zeitgemässere Mitwirkungsformen führen. Bessere Informationen, frühere Einbindung und – wo sinnvoll – mehr Sachentscheide an der Urne, idealerweise synchronisiert mit nationalen Abstimmungsterminen.
Gleichzeitig braucht es für die laufenden Verwaltungskosten mehr Transparenz, weil der Einfluss der Bürgerschaft dort sehr begrenzt ist. Deshalb wiederholen wir unsere Forderung, ein Kennzahlensystem einzuführen, das Aufwand, Output und Wirkung sichtbar macht.
Stadtentwicklung - konkret
Kurzfristig (2026) stehen Transparenz, Steuerung der Verwaltungskosten und die Priorisierung der Investitionen im Fokus. Ein Kernprojekt für 2026 ist der Bezug des Pflegezentrums Schachen. Mit der Inbetriebnahme des Neubaus ist der Übergang von Objekt- zu Subjektfinanzierung konsequent umzusetzen – so wie es im Vorfeld der Abstimmung 2023 angekündigt bzw. versprochen wurde.
Mittelfristig (ab Budget 2027) braucht es die konsequente Umsetzung – insbesondere bei Prozessen, Personal- und Sachaufwand sowie bei der Optimierung in der Bildung.
Langfristig (bis 2030) geht es um die Balance aus Infrastruktur (Schulraum, Verkehr, Werterhalt), Ortsplanungsrevision, Standortattraktivität und einer Verschuldungspolitik, die künftigen Generationen Handlungsspielraum lässt. Der grösste Hebel dazu liegt im doppelten Sinne in der Verwaltung.